Der jüdische Friedhof
Stadtarchiv Lüneburg, BS 7132 (Ausschnitt)
Anfang 1828 fand auf dem seit 1823 bestehenden jüdischen Friedhof die erste Bestattung statt.
Im November 1938 wurde der Friedhof verwüstet und geschändet, 1943/44 vollständig zerstört und zweckentfremdet genutzt. Seit 1965 steht im Bereich der früheren Gräber ein Gedenkstein.
1967 wurden beim Abriss eines 1944 im westlichen Teil errichteten Doppelbehelfsheims noch 13 Grabsteine und mehrere Fragmente gefunden. 1972 wurden sie am Rande des alten Bestattungsfeldes aufgestellt, zusätzlich 21 Teil- bzw. Sockelstücke von Grabsteinen rechts und links neben dem Gedenkstein von 1965 abgelegt.
Im Jahr 2026 erfolgte die Neugestaltung des jüdischen Friedhofs.
Informieren Sie sich hier über die Neugestaltung des jüdischen Friedhofs im Jahr 2026 sowie über die vorgefundenen, zum Teil wieder zusammengesetzten Historischen Grabsteine und die Stelen zur Namensbewahrung.
Hier finden Sie eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des Friedhofs sowie zur Trauerhalle. Weitere Informationen finden Sie hier: epidat - Online-Datenbank für jüdische Grabinschriften und Friedhofsdokumentation.
Der jüdische Friedhof heute
Die vier Bereiche auf dem jüdischen Friedhof
Bereich A)
Die 2023/24 restaurierte Trauerhalle (Tahara-Haus) von 1912: Das einzige noch erhaltene jüdische Gemeindegebäude in Lüneburg markiert zusammen mit der Toranlage die besondere Bedeutung des Ortes.
Bereich B)
Der Bereich der Erinnerung an das Schicksal des Friedhofs: Von den 170 Gräbern sind lediglich einige Fragmente sowie 13 Grabsteine erhalten, die aus vorhandenen Teilen wieder zusammengefügt wurden. Ihre Aufreihung in Form eines Ovals macht deutlich, dass sie nicht am Ort der historischen Grabstätten stehen. Die wiedererrichteten Grabsteine legen Zeugnis für das Geschehene ab und dienen als Mahnung für die Zukunft.
Bereich C)
Der 1943/44 vollständig zerstörte historische Bestattungsbereich: Um die Namen aller hier Bestatteten zu bewahren, sind sechs Stelen mit Vor- und Nachnamen sowie Geburts- und Sterbejahr der Bestatteten aufgestellt worden, ermöglicht durch Spenden Lüneburger Bürgerinnen und Bürger. Die Namen sind nach dem Datum der Bestattung geordnet.
Bereich D)
Der nordwestliche Teil des Friedhofgeländes: Hier stand zwischen 1944 und 1967 das von der Stadt Lüneburg errichtete Behelfsheim. In diesem Bereich hat es nie Bestattungen gegeben, sodass er für künftige Bestattungen vorgehalten wird. Zwei neu gepflanzte Bäume erinnern an die Bäume, die hier bis zur Zerstörung des Friedhofs 1943/44 standen.
Historische Grabsteine
Während des Novemberpogroms schändeten NS-Aktivisten 1938 Teile des jüdischen Friedhofs. Die jüdische Gemeinde konnte ihn jedoch weiter nutzen: 1939 fand hier noch eine letzte Beerdigung statt.
Die eigentliche Zerstörung des Friedhofs geschah im Winter 1943/44: Die Stadt Lüneburg, die auf dem Grundstück ein Behelfsheim errichten wollte, ließ das Friedhofsgelände räumen und planieren. Bis dahin waren auf dem Friedhof noch alle Grabsteine vorhanden, viele standen sogar noch aufrecht. Die meisten wurden abtransportiert und weiterverwertet. Nur einige wenige Steine nutzte man als Fundament für das Anfang 1944 errichtete Behelfsheim.
1967 wurde dieses Behelfsheim abgerissen. Dabei kamen 13 im Fundament eingebaute Grabsteine und etliche Bruchstücke wieder zum Vorschein. Nachdem sie einige Jahre notdürftig gelagert worden waren, wurden die identifizierbaren Teile der Grabsteine schließlich 1972 in einer Reihe am Rande des ursprünglichen Bestattungsfeldes aufgestellt. Andere Steinteile legte man rechts und links von dem 1965 errichteten Gedenkstein ab.
Der Landesverband der jüdischen Gemeinden wurde mit der gärtnerischen Pflege des Friedhofs weitgehend alleingelassen; immer wieder wuchsen die Grabsteine zu. Dies änderte sich erst in den späten 1990er Jahren, als die Stadt Lüneburg den Friedhof regelmäßig zu pflegen begann.
Als Teil der Umgestaltung des jüdischen Friedhofs wurden die 13 Steine im Jahr 2026 wieder aus den verschiedenen erhaltenen Teilen zusammengesetzt und in ihrer vollen Größe aufgestellt. Dazu kam noch ein neu aufgefundenes Fragment, das als Teil des Grabsteins von Moritz Jacobsohn erkannt und zum ersten Mal seit der Zerstörung 1943/44 wieder aufgestellt wurde. Zudem wurden die hebräischen Inschriften der Grabsteine für die Datenbank „epidat“ aufbereitet. Im Zuge dessen gelang erstmalig die Identifikation des Steins von Emma Lindenberg, dessen deutsche Inschrift verlorengegangen war.
Stelen zur Namensbewahrung
Im Zuge der Umgestaltung des jüdischen Friedhofs wurden 2026 sechs Stelen zur Namensbewahrung aufgestellt. Sie tragen die Namen aller 170 Menschen, die hier zwischen 1828 und 1939 bestattet wurden.
Jeder Name führt zu einem Eintrag in der Datenbank.
Stele 1


Stele 2

Ephraim Albert Meyer [1864-1865]
Hannchen Rosenstein [1826-1865]
Robert Eduard Meyer [1868-1868]
Wolf Hirsch Michaels [1803-1869]

Stele 3


Stele 4


Stele 5



