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bisher: Salomon Heinemann ...


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Ida Lea Jaffé, geborene Heinemann [*1871]

Geboren am 06.07.1871 in Lüneburg, gestorben in Riga
Ida Jaffé geb. Heinemann, o.D.; Privatbesitz Becki Cohn-Vargas
Ida Jaffé geb. Heinemann, o.D.; ...

Wohnort

Familie Abraham Ahrons (1763-1790)
Familie Isaak Abraham Ahrons (1790-1799)
Familie Marcus Heinemann (1862-1939)
Familie Salomon Heinemann (1860er)
Adolf und Hulda Schickler (1935-1942)
Sally und Lucie Baden-Behr (1939, 1941)

Große Bäckerstraße 23
Lüneburg

Ida Heinemann war das zwölfte Kind von Marcus Heinemann und seiner Frau Henriette geb. Lindenberg. Sie wurde 1871 in Lüneburg geboren. Zusammen mit ihren vielen älteren und jüngeren Geschwistern wuchs sie in der Großen Bäckerstraße 23 auf. Wie ihre Schwestern besuchte sie die Höhere Töchterschule in Lüneburg.

1889 heiratete sie in Lüneburg den Kaufmann Joshua Jaffé aus Schwerin, der in Hannover im Textilhandel tätig war. Die beiden lebten viele Jahrzehnte zusammen in Hannover, zuletzt in der Hedwigstraße. Als er 1931 starb, zog Ida als Witwe in eine neue, kleinere Wohnung in Hannover-List.

Nach dem Beginn des NS-Regimes kümmerte sie sich von dort aus 1933/34 u.a. um die Kinder einer Nichte ihres Mannes, die ihre Emigration nach Palästina vorbereiteten. Ihre Großnichte Hanna Medalia erinnerte sich vor einigen Jahren. "Ida war jung verheiratet: ca. im Alter von 17 Jahren. Man erzählt, daß ihr Vater mit ihrem Alter einen Irrtum hatte: Bei seiner reichen Kinderzahl verwechselte er sie mit einer um 1 Jahr älteren Schwester. Über ihren Mann – meinen Onkel – Josua weiß ich nichts besonderes zu berichten; soweit ich mich erinnere, unterhielt er ein Konfektionswaren-Geschäft [...]. Sie wohnten in der Hedwigstraße, in allernächster Nachbarschaft zu uns. Nach seinem Tode zog Ida um in eine moderne Wohnung in einem etwas entfernten Wohnviertel: Die List. Es war dort, wo sie mich vor unserer Auswanderung in ihre Obhut nahm."

Seit Anfang April 1940 wohnte sie in der Minna-James-Heineman-Stiftung in der Brabeckstraße in Hannover, einem Altersheim „für alleinstehende Damen der gebildeten Stände, vorzugsweise Hannoveranerinnen jüdischen Glaubens“. Auch die ebenfalls aus Lüneburg stammenden Schwestern Emma Rosenstein, Fanny Kan und Emilie Blumenthal lebten hier.

Im September 1941 wurde das Heim zu einem Massenquartier für Juden aus Hannover, die ihre eigenen Wohnungen räumen mussten. Zusammen mit mehr als tausend anderen Juden wurde Ida Jaffé am 15.12.1941 von hier aus ins Ghetto Riga deportiert. Dort herrschten katastrophale Zustände, etremer Hunger und Seuchen waren weit verbreitet. Zudem gab es Massenerschießungen im nahegelegenen Wald von Bikierniki.

Die 70-jährige Ida Jaffé geb. Heinemann kam unter diesen Umständen höchstwahrscheinlich schon kurz nach ihrer Ankunft in Riga ums Leben. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.


Quellen und Infos:

Briefe von Hanna Medalia an Anneke de Rudder, 09.01.2015 und 09.03.2015

Jewish places: Hannover, Heinemanhof, ehemals jüdisches Altersheim

Ida Jaffé in der Zentralen Datenbank der Namen der Holocaustopfer, Yad Vashem: https://collections.yadvashem.org/de/names/7758668

Ida Jaffé in "Mapping the Lives": https://mappingthelives.org/bio/d9d21177-8373-4238-abfb-f857f0db6f04?language=de

Ida Jaffé auf der Deportationsliste Hannover-Riga, 15.12.1941: http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_nwd_411215-3.html (Das Original befindet sich im Niedersächsischen Landesarchiv, Bestand NLA Hannover Hann. 210 Acc. 160/98 Nr. 7 fol. 1-12 und NLA Hannover Hann. 210 Acc. 160/98 Nr. 17 fol. 45-55 und 83-98.)

"Page of Testimony" für Ida Jaffé von Hanna Medalia, Yad Vashem (hier wird irrtümlicherweise Theresienstadt als Deportationsort angegeben): https://collections.yadvashem.org/de/names/13555720