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Der Kaufmann Moses Salomon - nicht zu verwechseln mit dem 1811 in Winsen geborenen Moritz Salomon - wurde vermutlich in den 1770er Jahren geboren und lebte ab 1712 in Lüneburg als "Schutzjude".
Dieser Begriff bezeichnete einen Status, den deutsche Landesherren jüdischen Händlern etwa vom 14. bis ins 19. Jahrhundert gewährten, um von deren Einnahmen zu profitieren und die Ansiedlung jüdischer Familien zu steuern. Gegen Zahlung von hohen Schutzgeldern und die Einhaltung von strengen Regeln zur Bewegungfreiheit wurde den Schutzjuden ein gewisser Schutz nach außen und eine Privilegierung gegenüber anderen Juden zugesichert. Im Kurfürstentum und späteren Königreich Hannover, zu dem Lüneburg gehörte, gab es bis in die 1840er Jahre Schutzjuden.
Die folgende Beschreibung in einem Aufsatz von 1840 vermittelt einen interessanten Einblick in Moses Salomons Arbeit: "Im Jahre 1722 übernahm Moses Salomon zu Lüneburg eine Tuchfabrik, in welcher mit 8 Stühlen angefangen wurde und fast zweihundert Personen arbeiteten. Der vorzüglichste Absatz der lüneburgschen Tuchfabrikate ging, außer den bezeichneten Gegenden, nach Dänemark, Schweden, den Hansestädten Hamburg und Lübeck, insbesondere aber auch nach den kurbrandenburgschen Staaten und nach Mecklenburg."
Bei dieser Tuchfabrik handelte es sich um das Unternehmen, das der Hannoversche Hoffaktor Leffmann Behrens und sein Sohn Jacob Behrens 1680 in Lüneburg aufgebaut hatten. Möglicherweise hat Moses Salomon die Fabrik nach dem Bankrott der Firma Behrens 1721 aus der Konkursmasse kaufen bzw. es als eine Art Geschäftsführer ("Factor") übernehmen können.
Moses Salomon heiratete in den späten 1710er Jahren. Im Stadtarchiv sind mehrere Schreiben überliefert, in denen von zwei Söhnen die Rede war: Zum einen Philipp, der älteste, und dann Salomon als jüngerer Sohn. Als Moses Salomon im März 1744 plötzlich starb, bat sowohl Philipp Salomon selbst als auch seine Mutter - die "Wittwe Salomon", deren Vorname nicht genannt wird - den Landesherren "unterthänigst" darum, den Schutz für den verstorbenen Moses Salomon auf seinen Sohn Philipp zu übertragen.
Quellen und Infos:
Geschichte der Wollenwebereien in der Stadt Lüneburg. Von dem Herrn Senator und Garnisonauditeur Dr. Albers zu Lüneburg, in: Vaterländisches Archiv des Historischen Vereins für Niedersachsen 1840, S. 126.
Namensvarianten: Salomo