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Mutter von
Ehefrau von Simon Heinemann [*1781]
Familie Simon Heinemann (1815-1855)
Familie Sally Heinemann (1855-1901)
Familie Marcus Heinemann (1856-1862)
Betty Sußmann wurde 1792 in Bleckede geboren, einer kleinen Stadt an der Elbe nicht weit von Lüneburg. Ihre Eltern waren der Kaufmann Sußmann Emanuel Herz aus Bleckede und dessen Frau Auguste, genannt Gutta, geb. Wahrendorf aus Celle. Der Familienüberlieferung nach gehörte zu Guttas Vorfahren unter anderem die berühmte Glückel von Hameln. Betty wuchs in Bleckede auf. Ihre Enkelin Clara Jacobson geb. Heinemann erinnerte sich später, dass Betty aus einer sehr kinderreichen Familie stammte, angeblich sei sie die jüngste von 25 Kindern gewesen.
1815 oder 1816 heiratete Betty Sußmann den Kaufmann Simon Heinemann, der wie sie aus Bleckede kam, aber seit etwa 1810 in Lüneburg lebte. Dort hatte er nach einigen Jahren endlich den Status eines Schutzjuden erhalten. Betty zog zu Simon nach Lüneburg. In der Bardowicker Straße 6, unweit des Marktplatzes, gründeten sie "ein Bankgeschäft, verbunden mit Manufakturwaren, Wolle und Wachs. [...] Sie wohnten unten in bescheidenen Räumen, oben war vermietet." So erinnert sich Bettys Enkelin Emilie Heinemann in den 1930er Jahren.
In den folgenden Jahren brachte Betty in Lüneburg fünf Kinder zur Welt: Rosa, Sally, Marcus, Salomon und Mathilde. Betty Heinemann, so Emilie, war "eine herzensgute und kluge Frau, aber stets besorgt, ob der Verdienst auch zum Leben reiche. Die Räume, die sie bewohnten, waren sehr beschränkt. Als einst am Freitagabend noch spät ein Kunde kam, konnte sie die Kinder nicht wie gewohnt vorm Schlafengehen fertig machen; durch die Verzögerung wurde den Kindern das Leben gerettet, denn die Decke des Schlafzimmers stürzte ein. - Alle jungen Leute, die bei ihnen in der Lehre waren, haben stets gern von dem häuslichen Leben erzählt."
Bettys Sohn Marcus, geboren 1819, erzählte seinen Kindern später gern, wie er jeden Samstagnachmittag mit seiner Mutter zum Tee bei „Tante Betty Heine“ gegangen sei und dort selbstgebackenen Kuchen gegessen habe. Das bezog sich auf die Mutter von Heinrich Heine, die von 1822 bis 1828 mit ihrem Mann Salomon in Lüneburg wohnte, im Haus am Ochsenmarkt, das heute als „Heine-Haus“ bekannt ist. Sie war offenbar eine gute Bekannte von Betty Heinemann und ihrer Familie.
Ab den 1840er Jahren begannen Bettys Kinder nach und nach, eigene Wege zu gehen. Die älteste Tochter Rosa heiratete 1848 den Kaufmann Meyer Herschel und zog zu ihm nach Hamburg. Die Söhne Sally, Marcus und Salomon zogen zur Ausbildung in andere Städte und lernten dort meist bei Geschäftspartnern ihres Vaters. Wie er wurden sie Kaufleute und Bankiers. In den 1850ern übernahmen sie immer mehr Verantwortung im väterlichen Betrieb. Auch sie heirateten in jenen Jahren, blieben jedoch in Lüneburg, zunächst auch im elterlichen Haus. Die jüngste Tochter Mathilde blieb bei den Eltern, die zunehmend pflegebedürftig waren. Sie heiratete erst nach deren Tod.
Im September 1855 starb Simon Heinemann in Lüneburg. Auch seine Frau Betty war zu diesem Zeitpunkt schon dem Tode nahe und fast erblindet. Enkelin Emilie berichtet über ihre letzten Tage: "Als der Großvater starb, verheimlichten die Kinder den Tod, da die Großmutter auch sehr krank war. Sie bestimmte nur noch das Essen für den Vater. Sie starb an einem Furunkel, an Schwäche."
Am 12. Oktober 1855, nur gut drei Wochen nach ihrem Mann, starb auch Betty Heinemann geb. Sußmann in Lüneburg. Wie kurz zuvor ihr Mann wurde sie auf dem jüdischen Friedhof der Stadt bestattet.
Quellen und Infos:
Erinnerungen von Emilie Heinemann, in: Stadtarchiv Lüneburg, NBi33
Erinnerungen von Clara Jacobson geb. Heinemann, in: Stadtarchiv Lüneburg, NMa117
Zur jüdischen Gemeinde in Bleckede: http://www.judeninbleckede.de/
Digitalisierte Familiendokumente in der „Heinemann Collection“ im Leo Baeck Institute, New York:
http://findingaids.cjh.org/?pID=1640779
Namensvarianten: Sussmann Hertz Heine