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bisher: Hirsch Lengel [*1873] | Toni Meta Marx, geborene ...


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Toni Hesse, geborene Lengel [*1904]

Geboren am 16.11.1904 in Lüneburg, gestorben in Stutthof
Toni Lengel, Lüneburg 1917; Privatbesitz Joan Lengel
Toni Lengel, Lüneburg 1917; ...

Wohnort

Familie Hirsch Lengel (1919-1940)
Witwe Esther Feintuch (1925)
Familie Heinrich Kapp (1926-1933)
Albert und Anna Horwitz (1941-????)

Salzbrückerstraße 64 (69)
21335 Lüneburg

Toni (Taube) Lengel wurde 1904 in Lüneburg geboren. Sie war das fünfte Kind von Hirsch und Bertha Lengel geb. Lirt - und das erste, das in Lüneburg geboren wurde.

Kurz vor Tonis Geburt hatten die Eltern mit vier kleinen Kindern ihre Heimatstadt in Galizien verlassen und waren nach Deutschland gegangen, nach Lüneburg. Sie wohnten dort ab 1904 zunächst in der Salzbrückerstraße 23 in der westlichen Altstadt, später u.a. in der Papestraße nahe der Johanniskirche. In den kommenden Jahren wurden in Lüneburg noch drei weitere Geschwister geboren. Toni wuchs im Kreise dieser großen Familie in Lüneburg auf.

Ihr Vater Hirsch Lengel arbeitete als Produkten- und Kohlenhändler, langsam ging es wirtschaftlich bergauf. Nachdem Hirsch Lengel aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekommen war, konnte die Familie ein großes Haus in der Salzbrückerstraße 64 kaufen, das von 1919 an ihr Wohn- und Arbeitsort war.

Toni und ihre Geschwister gingen in Lüneburg zur Schule und begannen Ausbildungen. Anfang der 1930er Jahre lebte und arbeitete Toni eine Weile in Groningen in den Niederlanden, außerdem in Celle, Lauterbach und Harburg. 1934 heiratete sie Max Hesse, der aus Leer in Ostfriesland stammte und seit 1928 in Lüneburg wohnte. Das junge Ehepaar lebte zwischenzeitlich mit im Haus der Familie Lengel in der Salzbrücker Straße. 1938 wurde die Ehe geschieden.

Mit dem Beginn des NS-Regimes 1933 war es für die Lengels wie für alle jüdischen Familien in Lüneburg angesichts antisemitischer Gesetze und Schikanen immer schwerer geworden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 1935 wurde allen Familienmitgliedern die preußische Staatsbürgerschaft entzogen, die sie seit 1923 innehatten. Sie waren nun offiziell staatenlos, was auch bedeutete, dass sie ohne jeden Schutz waren.

Als erstes flohen Tonis ältere Schwestern Sophie Kapp geb. Lengel und Selma aus NS-Deutschland: 1933 bzw. 1935 verließen sie Lüneburg Richtung Frankreich. Sonias jüngere Schwester Elisabeth konnte 1937 in die USA entkommen, nach New York. Dort lebte schon seit den frühen 1920er Jahren der älteste Bruder Wilhelm. 1939 konnte Sonias jüngerer Bruder Jakob, der anderthalb Jahre in den Konzentrationslagen Buchenwald verbracht hatte, noch knapp über Großbritannien in die USA entkommen.

Es ist davon auszugehen, dass auch Toni und ihre ein Jahr ältere Schwester Sonia - ebenso wie die Eltern - noch bis zuletzt versuchten, angesichts der immer weiter weiter radikalisierenden Judenverfolgung aus Deutschland zu fliehen. Seit der erzwungenen Schließung des Geschäfts von Hirsch Lengel 1937 wurde es jedoch immer schwerer, eine Auswanderung zu finanzieren und die notwendigen Dokumente zusammenzubekommen.

Im März 1940 zog Toni nach Köln, vermutlich hatte sie dort Arbeit gefunden. Nach gut einem Jahr kam sie jedoch nach Lüneburg zurück, vielleicht um sich um ihre Eltern zu kümmern. Am Ende saß Toni mit den Eltern und ihrer Schwester Sonia in Lüneburg fest.

Am 4. Dezember 1941 wurde Toni Hesse zusammen mit ihrer Schwester Sonia Lengel sowie dem Ehepaar Sally Baden und Lucie Baden-Behr von Lüneburg nach Hamburg verschleppt. Von dort wurden sie am 6. Dezember mit über tausend anderen Menschen aus Norddeutschland in das Ghetto Riga-Jungfernhof deportiert. In dem heruntergekommenen leerstehenden Gut herrschten bei Eiseskälte katastrophale Lebensbedingungen.

Zusammen mit ihrer Schwester überlebte Toni Hesse den Horror des Ghettos Riga. Nach der Auflösung des Ghettos 1943 kamen sie ins KZ Riga-Kaiserwald. Vermutlich mussten sie in Riga durchgehend harte Zwangsarbeit leisten. im August 1944 wurden die beiden Schwestern von Riga aus ins KZ Stutthof bei Danzig deportiert und kamen dort vermutlich in den letzten Kriegswochen ums Leben.

Quellen und Infos:

Yad Vashem: Transport Hamburg-Riga 6. Dezember 1941

Deportationen der Juden aus Zentraleuropa nach Riga während des Holocausts (Projekt des Museums "Juden in Lettland")

Deportation Hamburg - Lüneburg - Schleswig-Holstein - Danzig nach Riga, 06.12.1941: https://statistik-des-holocaust.de/list_ger_nwd_411206.html

Auskunft des Museums Stutthof zu Toni Hesse, November 2017

Namensvarianten: Taube Tony