Menschen

Hier finden sich Namen, Lebensdaten, Biografien und Familiengeschichten zu jüdischem Leben in Lüneburg. Haben Sie weitere Informationen, Korrekturen, Fotografien, Dokumente oder Anregungen? Nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf, damit wir die Seiten aktualisieren können.

bisher: Wolf Sturm [*1884] | Leopold Jassy [*1897]


Suchen Sie nach Namen, Orten oder Begriffen
oder wählen Sie einen Namensbereich    A - F      G - L      M - R      S - Z   

 

Sonia Lengel [*1903]

Geboren am 10.02.1903 in Dąbrowa, Galizien, Österreich-Ungarn (heute Dąbrowa Tarnowska, Polen), gestorben in Stutthof
Sonia Lengel, Lüneburg 1917; Privatbesitz Joan Lengel
Sonia Lengel, Lüneburg 1917; ...
Sonia Lengel, Häftlingspersonalkarte des KZ Stutthof; Museum Stutthof
Sonia Lengel, Häftlingspersonalkarte ...

Wohnort

Familie Hirsch Lengel (1919-1940)
Witwe Esther Feintuch (1925)
Familie Heinrich Kapp (1926-1933)
Albert und Anna Horwitz (1941-????)

Salzbrückerstraße 64 (69)
21335 Lüneburg

Sonia (Sara) Lengel wurde 1903 in Dabrowa in Galizien (damals Österreich-Ungarn) geboren. Sie war das vierte Kind von Hirsch und Bertha Lengel geb. Lirt - und das letzte, das noch in Dabrowa geboren wurde.

Kurz nach Sonias Geburt verließen die Eltern mit vier kleinen Kindern ihre Heimatstadt in Galizien und gingen nach Deutschland, nach Lüneburg. Sie wohnten dort ab 1904 zunächst in der Salzbrückerstraße 23 in der westlichen Altstadt, später u.a. in der Papestraße nahe der Johanniskirche. In den kommenden Jahren wurden in Lüneburg vier weitere Geschwister geboren. Sonia wuchs im Kreise dieser großen Familie in Lüneburg auf.

Ihr Vater Hirsch Lengel arbeitete als Produkten- und Kohlenhändler, langsam ging es wirtschaftlich bergauf. Nachdem Hirsch Lengel aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekommen war, konnte die Familie ein großes Haus in der Salzbrückerstraße 64 kaufen, das von 1919 an ihr Wohn- und Arbeitsort war.

Sonia und ihre Geschwister gingen in Lüneburg zur Schule und begannen Ausbildungen. In den 1920er Jahren lebte und arbeitete Sonia unter anderem in Leipzig, Breslau und in Camberg (bei Frankfurt am Main). Zwischendurch kehrte sie immer wieder nach Lüneburg zurück. Ab 1928 lebte sie dauerhaft in ihrem Elternhaus in der Salzbrücker Straße 64 in Lüneburg. Vielleicht half sie ihren Eltern oder ihrer Schwester Sophie Kapp im Geschäft, vielleicht arbeitete sie auch in anderen Betrieben in der Stadt.

Mit dem Beginn des NS-Regimes 1933 wurde es für die Lengels wie für alle jüdischen Familien in Lüneburg angesichts antisemitischer Gesetze und Schikanen immer schwerer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 1935 wurde allen Familienmitgliedern die preußische Staatsbürgerschaft entzogen, die sie seit 1923 innehatten. Sie waren nun offiziell staatenlos, was auch bedeutete, dass sie ohne jeden Schutz waren.

Als erstes flohen Sonias ältere Schwestern Sophie Kapp geb. Lengel und Selma aus NS-Deutschland: 1933 bzw. 1935 verließen sie Lüneburg Richtung Frankreich. Sonias jüngere Schwester Elisabeth konnte 1937 in die USA entkommen, nach New York. Dort lebte schon seit den frühen 1920er Jahren der älteste Bruder Wilhelm. 1939 konnte Sonias jüngerer Bruder Jakob, der anderthalb Jahre in den Konzentrationslagen Buchenwald verbracht hatte, noch knapp über Großbritannien in die USA entkommen.

Es ist davon auszugehen, dass auch Sonia und ihre ein Jahr jüngere Schwester Toni Taube - ebenso wie die Eltern - noch bis zuletzt versuchten, angesichts der immer weiter weiter radikalisierenden Judenverfolgung aus Deutschland zu fliehen. Seit der erzwungenen Schließung des Geschäfts von Hirsch Lengel 1937 wurde es jedoch immer schwerer, Auswanderungen zu finanzieren und die notwendigen Dokumente zusammenzubekommen. Am Ende saß Sonia in Lüneburg fest.

Am 4. Dezember 1941 wurde Sonia Lengel zusammen mit ihrer Schwester Toni Hesse sowie dem Ehepaar Sally Baden und Lucie Baden-Behr von Lüneburg nach Hamburg verschleppt. Von dort wurden sie am 6. Dezember mit über tausend anderen Menschen aus Norddeutschland in das Ghetto Riga-Jungfernhof deportiert. In dem heruntergekommenen leerstehenden Gut herrschten bei Eiseskälte katastrophale Lebensbedingungen.

Zusammen mit ihrer Schwester Toni überlebte Sonia den Horror des Ghettos Riga. Nach der Auflösung des Ghettos 1943 kamen sie ins KZ Riga-Kaiserwald. Vermutlich mussten die beiden durchgehend harte Zwangsarbeit leisten. im August 1944 wurden sie von Riga aus ins KZ Stutthof bei Danzig deportiert und kamen dort vermutlich beide in den letzten Kriegswochen ums Leben.

Quellen und Infos:

Auskünfte des Museums Stutthof zu Sonia Lengel, November 2017

Deportationen der Juden aus Zentraleuropa nach Riga während des Holocausts (Projekt des Museums "Juden in Lettland")

Deportation Hamburg - Lüneburg - Schleswig-Holstein - Danzig nach Riga, 06.12.1941: https://statistik-des-holocaust.de/list_ger_nwd_411206.html

Yad Vashem: Transport Hamburg-Riga 6. Dezember 1941

Namensvarianten: Sonja Sara Sarah